…mir ist gerade aufgefallen, dass ich mein Blog-Jubiläum vergessen habe. Seit dem 10.02.2005 bin ich nun nämlich schon mit diesem wundervollen Blog im Gange und ich möchte euch allen danken, dass ihr es mir so leicht gemacht wirklich fast täglich einen kleinen Eintrag hier zu hinterlassen. Danke für eure vielen Comments, die lustigen Diskussionen und Bekanntschaften die ich durch Seite gemacht habe. Hoffe, dass auch das nächste Jahr und die folgenden so schön und spannend werden, also: auf ein neues!
Da wir gerade beim Thema sind, ich habe mich entschlossen heute etwas zu tun, dass ich vorher noch nie getan habe. Ich möchte euch etwas von mir Geschriebenes zu lesen geben. Es ist der Anfang einer Geschichte die mich gestern gepackt hat, vielleicht die Geschichte meines Buches, von dem ich schon so lange träume. Ich weiß es nicht. Ich würde mich auf jeden Fall sehr sehr freuen, wenn ihr diese kleine Einleitung lesen würdet um mir anschließend eure Meinung mitzuteilen. Lohnt es sich am Ball zu bleiben? Ist es völliger Müll? Zu kompliziert? Zu wirr? Wir werden sehen, here we go:
Geräusche durchströmen die Straßen, Geräusche verschiedenen Ursprungs. Das Hupen von hektischen Taxi-Fahrern, Geschrei von gestressten Geschäftsleuten, Polizeisirenen und Musik. Es scheint als vermischen sich alle Laute dieser Welt in diesem Moment, in diesem unwichtigen, vollkommen unspektakulärem Moment, in dem ich hier an der Bushaltestelle sitze und warte. Ich versuche den Lärm mit meiner eigenen Musik, die schallend aus meinem MP3-Player dringt zu übertönen, scheitere jedoch kläglich. Seufzend ziehe ich eine Zigarette aus der Tasche meines dunkelbraunen Parkers und entzünde sie. Ziemlich hastig atme ich den Rauch wieder aus und versuche damit soviel Nikotin wie möglich in mich aufzusaugen bis der Bus kommt, der sich wie immer verspätet. Mit mir warten eine Hand voll Leute, Kinder, Jugendliche, alte Damen. Nichts besonderes, nichts das hervor sticht. Genau wie ich.
Würden Sie einen dieser Menschen, die genau neben mir stehen, fragen was sie sehen wenn sie mich anschauen, so würden sie wohl erwidern, dass ich genau das bin, was man im allgemeinen als „junges Ding“ bezeichnen würde. Nun, ich muss zugeben, dass mir dieser Ausdruck nicht gefällt, denn für mich bedeutet er vor allem eins: Naivität. Nicht, dass ich nicht naiv bin, jeder Mensch ist in gewisser Weise naiv, doch ich bin es nicht in dem Sinne, den diese Menschen dem Begriff geben. Ich bin jung, das stimmt, doch auf eine merkwürdige Art fühle ich mich steinalt. Geistig, seelisch gesehen. Solche Phasen hat wohl jeder angehende Erwachsene, woher genau das kommt ist mir ein Rätsel, denn man kann sich einfach nicht alt fühlen wenn man es nicht ist. Punkt.
Als der Bus einige Minuten später endlich eintrifft steige ich schnell ein und lasse mich auf einem Einzelplatz im hinteren Teil des Gefährts nieder. Da der Geräuschpegel nun um einiges gedämpft ist starte ich einen neuen Versuch und drehte meine Musik lauter, schließe die Augen.
Dunkles Haar, welches bis knapp über die Schultern reicht, grüne Augen, eine blasse Hautfarbe und eine schmale Figur. Das wäre die kurze Beschreibung, die Sie von meinen Mitfahrern hier erhalten würden. Alternativer Kleidungsstil wäre wohl der nächste Punkt. Wobei alternativ meiner Meinung nach anders aussieht, aber das ist Ansichtssache.
Im allgemeinen bin ich vielleicht nicht gerade der Vorzeigetyp Mädchen, das der ambitionierte Jura-Student an Heilig Abend mit zu seinen Eltern nach Hause bringen würde, doch man vertraut mir sein Haustier zur Pflege an. Was immer das heißen mag. Ich bin nett, das kann ich ohne Zweifel von mir behaupten. Nett und ehrlich.
Mein Blick schweift über die mitfahrenden Menschen im Bus, mit leisen Klängen einer Akkustikgitarre in den Ohren betrachte ich ihre Gesichter, versucht unauffällig doch eingehend. Solch ein Bus bietet viel, aber vor allem eins: Nähe. Man ist für einen bestimmten Zeitraum auf engstem Raum zusammen und auch wenn man nicht miteinander spricht, ist man sich doch nah. Man sieht den anderen in einem klaren Licht, er kann sich weder verstecken noch einfach abhauen. Sie sitzen da und tun nichts. Selbst wenn sie eine Zeitung oder ein Buch lesen tun sie eigentlich nichts, sondern sind einfach nur da, teilen einen Gedanken mit allen anderen. Wann bin ich endlich da? Es ist beängstigend wie viel man von einem Menschen erfährt, wenn man ihm einfach so gegenüber sitzt. Kleine Gesten, Blicke, Reaktionen. Es mag merkwürdig aussehen, wenn ich dort so sitze und sie beobachte, sie studiere, doch das kümmert mich nicht. Ich würde sie alle sowieso nie wieder sehen, sie waren Fremde, also warum sollte ich mir darüber Gedanken machen? Sie waren Gesichter, die am nächsten Abend, vielleicht sogar schon Morgen, wieder verblasst waren. Als wären sie nie da gewesen.
Ein Gesicht jedoch war geblieben. Das eine Gesicht um das sich alles dreht. Diese holprige Einleitung, die folgenden Seiten und Kapitel, mein Leben. Einfach alles. Dieses Gesicht, das mich eines Abends einfach angesehen und damit mein Leben verändert hatte, wahrscheinlich ohne das in jenem Augenblick überhaupt zu merken. Wie denn auch, es war schließlich nur mein Herz gewesen, das in diesem Moment verloren gegangen war.
So, das lasse ich jetzt mal so stehen. Es ist nun an euch.
~ Song of the day: Damien Rice – The blower`s daughter ~